Steuererklärung für Studenten und Azubis

Du bist Student oder Azubi und fragst dich, ob sich eine Steuererklärung für dich lohnt? Die Antwort ist in den meisten Fällen ein klares Ja! Viele junge Menschen lassen bares Geld liegen, weil sie denken, das Thema Steuern sei kompliziert und irrelevant für sie. Dabei kann gerade in der Ausbildungs- oder Studienzeit, in der oft jeder Euro zählt, eine Steuererklärung eine willkommene Finanzspritze bedeuten.

Steuererklärung? Brauch ich das überhaupt?

Viele Studenten und Auszubildende gehen davon aus, dass sie keine Steuern zahlen und somit auch keine Steuererklärung abgeben müssen. Das ist aber ein Irrtum! Auch wenn dein Einkommen unter dem Grundfreibetrag liegt (2024: 11.604 Euro), kann sich eine Steuererklärung lohnen. Der Grund liegt in den verlustvortragsfähigen Kosten.

Was bedeutet das?

Vereinfacht gesagt: Wenn du während deines Studiums oder deiner Ausbildung Kosten hast, die du nicht direkt durch dein Einkommen decken kannst (z.B. Studiengebühren, Fachliteratur, Arbeitsmittel), dann kannst du diese Kosten als Verlust feststellen lassen. Dieser Verlust wird dann in die folgenden Jahre vorgetragen und mit deinen zukünftigen Einkünften verrechnet, sobald du mehr verdienst. Das bedeutet, du zahlst später weniger Steuern.

Ab wann lohnt sich der Aufwand wirklich?

Die Frage ist berechtigt: Lohnt sich der Zeitaufwand wirklich für ein paar Euro? Grundsätzlich gilt: Je höher deine Ausgaben im Zusammenhang mit deiner Ausbildung oder deinem Studium sind, desto eher lohnt sich die Steuererklärung.

Hier ein paar Beispiele, wann es sich besonders lohnt:

  • Du hast Studiengebühren bezahlt: Studiengebühren sind in vielen Fällen absetzbar.
  • Du hast einen langen Arbeitsweg: Die Fahrtkosten zur Uni oder Ausbildungsstätte können als Werbungskosten geltend gemacht werden.
  • Du hast Fachbücher oder Arbeitsmittel gekauft: Auch diese Kosten können abgesetzt werden.
  • Du hast ein Praktikum absolviert: Hier können Reisekosten, Verpflegungskosten und Kosten für die Unterkunft abgesetzt werden.
  • Du hast eine Zweitausbildung absolviert: Wenn du nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung noch ein Studium beginnst, können die Kosten als Werbungskosten geltend gemacht werden (unbegrenzt absetzbar!).

Werbungskosten oder Sonderausgaben? Der feine Unterschied

Bei der Steuererklärung stolpert man oft über die Begriffe "Werbungskosten" und "Sonderausgaben". Aber was bedeuten sie eigentlich und was ist der Unterschied?

  • Werbungskosten: Das sind alle Kosten, die dir im Zusammenhang mit deiner Ausbildung oder deinem Beruf entstehen. Dazu gehören z.B. Fahrtkosten, Arbeitsmittel, Fachliteratur, Studiengebühren (wenn es sich um eine Zweitausbildung handelt), etc. Werbungskosten werden unbegrenzt abgesetzt.
  • Sonderausgaben: Das sind private Ausgaben, die vom Staat steuerlich gefördert werden. Dazu gehören z.B. Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, Spenden, Kirchensteuer, etc. Sonderausgaben sind begrenzt absetzbar.

Die Krux für Studenten und Azubis:

Oft werden Studiengebühren und andere Ausbildungskosten als Sonderausgaben behandelt, wenn es sich um die Erstausbildung handelt. Das bedeutet, sie sind nur bis zu einem bestimmten Betrag (aktuell 6.000 Euro pro Jahr) absetzbar.

Aber aufgepasst: Wenn du bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung hast und dann ein Studium beginnst, dann handelt es sich um eine Zweitausbildung. In diesem Fall können die Kosten als Werbungskosten geltend gemacht werden und sind unbegrenzt absetzbar! Das ist ein großer Vorteil!

Was kann ich alles absetzen? Eine Checkliste für Studenten und Azubis

Um dir einen besseren Überblick zu verschaffen, hier eine Checkliste mit Kosten, die du als Student oder Azubi in deiner Steuererklärung absetzen kannst:

  • Studiengebühren/Ausbildungsgebühren: Wie bereits erwähnt, sind diese als Sonderausgaben (Erstausbildung) oder Werbungskosten (Zweitausbildung) absetzbar.
  • Fahrtkosten: Kosten für Fahrten zur Uni, zur Ausbildungsstätte, zu Praktika oder Lerngruppen. Du kannst entweder die tatsächlichen Kosten nachweisen oder die Entfernungspauschale (0,30 Euro pro Kilometer für die ersten 20 Kilometer, ab dem 21. Kilometer 0,38 Euro) nutzen.
  • Arbeitsmittel: Kosten für Stifte, Papier, Taschenrechner, Laptop, Software, etc. Bei teureren Anschaffungen (über 952 Euro netto) musst du die Kosten über mehrere Jahre abschreiben.
  • Fachliteratur: Kosten für Fachbücher, Zeitschriften, Skripte, etc.
  • Semesterbeiträge: Der Semesterbeitrag, der an die Uni gezahlt wird, kann anteilig abgesetzt werden (z.B. für den Semesterticket-Anteil).
  • Telefon- und Internetkosten: Wenn du dein Telefon und Internet beruflich/studienbedingt nutzt, kannst du einen Teil der Kosten absetzen (pauschal 20%, maximal 20 Euro pro Monat).
  • Kontoführungsgebühren: Pauschal 16 Euro pro Jahr.
  • Umzugskosten: Wenn du für dein Studium oder deine Ausbildung umgezogen bist, kannst du die Umzugskosten absetzen.
  • Verpflegungskosten: Bei längeren Auswärtstätigkeiten (z.B. Praktika) kannst du Verpflegungspauschalen geltend machen.
  • Arbeitszimmer: Wenn du ein separates Arbeitszimmer zu Hause hast, das du überwiegend für dein Studium oder deine Ausbildung nutzt, kannst du die Kosten dafür absetzen (Miete, Nebenkosten, etc.).
  • Kosten für Lerngruppen: Fahrtkosten, Kosten für gemietete Räume, etc.
  • Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung: Diese werden als Sonderausgaben berücksichtigt.
  • Spenden: Spenden an gemeinnützige Organisationen sind absetzbar.
  • Kirchensteuer: Wenn du Kirchensteuer zahlst, kannst du diese absetzen.

Wichtig: Sammle alle Belege und Nachweise für deine Ausgaben! Ohne Belege kannst du die Kosten nicht absetzen.

Wie mache ich die Steuererklärung? Die verschiedenen Wege

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, deine Steuererklärung zu erstellen:

  • Elster: Das ist das offizielle Online-Portal der Finanzverwaltung. Hier kannst du deine Steuererklärung kostenlos erstellen und elektronisch an das Finanzamt übermitteln.
  • Steuererklärungssoftware: Es gibt verschiedene kommerzielle Steuererklärungssoftware, die dich bei der Erstellung der Steuererklärung unterstützt und dir hilft, alle relevanten Angaben zu machen.
  • Steuerberater: Wenn du dich unsicher fühlst oder komplexe Einkommensverhältnisse hast, kannst du einen Steuerberater beauftragen. Dieser erstellt deine Steuererklärung und berät dich in allen steuerlichen Fragen.

Tipps:

  • Viele Steuererklärungssoftwares bieten eine kostenlose Testversion an.
  • Es gibt auch Apps für das Smartphone, mit denen du deine Steuererklärung erstellen kannst.
  • Frage in deinem Freundes- und Bekanntenkreis nach Empfehlungen für Steuerberater.

Fristen und wichtige Unterlagen: Was du beachten musst

Die Frist für die Abgabe der Steuererklärung ist der 31. Juli des Folgejahres. Wenn du deine Steuererklärung von einem Steuerberater erstellen lässt, hast du länger Zeit (bis zum 28. Februar des übernächsten Jahres).

Wichtige Unterlagen für die Steuererklärung:

  • Lohnsteuerbescheinigung: Diese bekommst du von deinem Arbeitgeber.
  • Nachweise über deine Ausgaben: Sammle alle Belege und Rechnungen für deine Studiengebühren, Fahrtkosten, Arbeitsmittel, etc.
  • Immatrikulationsbescheinigung: Als Nachweis, dass du Student bist.
  • Kontoauszüge: Als Nachweis für Spenden, Kirchensteuer, etc.
  • Personalausweis oder Reisepass: Zur Identifizierung.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

  • Muss ich als Student überhaupt eine Steuererklärung machen? Nein, eine Pflicht zur Abgabe besteht in der Regel nicht, aber es kann sich lohnen, um Steuern zurückzubekommen oder Verluste feststellen zu lassen.
  • Was passiert, wenn ich die Frist für die Steuererklärung verpasse? Wenn du die Frist ohne triftigen Grund verpasst, kann das Finanzamt Verspätungszuschläge erheben.
  • Kann ich Studiengebühren auch dann absetzen, wenn ich BAföG bekomme? Ja, Studiengebühren sind grundsätzlich absetzbar, unabhängig davon, ob du BAföG beziehst.
  • Wie lange kann ich meine Steuererklärung rückwirkend abgeben? Du kannst deine Steuererklärung bis zu vier Jahre rückwirkend abgeben.
  • Was ist ein Verlustvortrag? Ein Verlustvortrag ermöglicht es dir, Verluste aus einem Jahr in zukünftige Jahre vorzutragen und mit Gewinnen zu verrechnen, um deine Steuerlast zu senken.

Fazit: Steuererklärung lohnt sich!

Auch wenn das Thema Steuern auf den ersten Blick kompliziert erscheint, lohnt sich die Auseinandersetzung damit gerade für Studenten und Auszubildende. Nutze die Möglichkeit, dir Geld zurückzuholen oder Verluste feststellen zu lassen - es ist einfacher als du denkst! Fang am besten gleich an, deine Belege zu sammeln!