900 Euro durchschnittlich zurück? Ist bei mir viel weniger ... !? - Steuern sparen

Die jährliche Steuererklärung: Für viele ein notwendiges Übel, für andere eine willkommene Gelegenheit, Geld zurückzubekommen. Doch die vermeintliche Durchschnittsrückerstattung von 900 Euro, die immer wieder im Raum steht, scheint für viele unerreichbar. Warum ist das so? Und was kannst du tun, um deine Steuerlast zu senken und vielleicht doch noch ein paar Euro mehr vom Finanzamt zurückzubekommen? Dieser Artikel beleuchtet die häufigsten Gründe für geringere Rückerstattungen und zeigt dir, wie du das Steuersparpotenzial voll ausschöpfen kannst.

Warum bekomme ich nicht die "durchschnittlichen" 900 Euro zurück?

Die Zahl von 900 Euro ist eine statistische Größe, die auf dem Durchschnitt aller Steuererstattungen basiert. Das bedeutet aber nicht, dass jeder Arbeitnehmer automatisch so viel zurückbekommt. Viele Faktoren beeinflussen die Höhe deiner individuellen Rückerstattung, darunter:

  • Dein Einkommen: Je höher dein Einkommen, desto mehr Steuern zahlst du. Gleichzeitig können aber auch mehr Ausgaben abgesetzt werden.
  • Deine Steuerklasse: Die Steuerklasse bestimmt, wie viel Lohnsteuer monatlich abgeführt wird. Steuerklasse 3 (für Verheiratete mit hohem Einkommen) führt beispielsweise zu einer geringeren monatlichen Steuerlast, was aber oft eine höhere Nachzahlung oder geringere Rückerstattung zur Folge hat.
  • Deine absetzbaren Ausgaben: Hier liegt oft der Schlüssel zu einer höheren Rückerstattung. Viele Arbeitnehmer sind sich nicht bewusst, welche Ausgaben sie geltend machen können.
  • Deine individuelle Situation: Faktoren wie Kinder, Behinderungen oder außergewöhnliche Belastungen beeinflussen ebenfalls die Steuerlast.

Kurz gesagt: Die 900 Euro sind ein Durchschnittswert, der wenig über deine persönliche Situation aussagt. Es ist wichtiger, sich darauf zu konzentrieren, alle Möglichkeiten zur Steuerminderung auszuschöpfen.

Die Jagd nach den verlorenen Euros: Welche Ausgaben kannst du absetzen?

Hier wird es spannend! Denn oft liegen die größten Steuersparpotenziale in den Ausgaben, die wir im Alltag tätigen und gar nicht als steuerlich relevant betrachten.

1. Werbungskosten: Alles rund um deinen Job

Werbungskosten sind Ausgaben, die dir im Zusammenhang mit deiner beruflichen Tätigkeit entstehen. Hierzu zählen:

  • Fahrtkosten: Der Klassiker! Du kannst die Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte geltend machen. Die Entfernungspauschale beträgt derzeit 30 Cent pro Kilometer für die ersten 20 Kilometer und 38 Cent für jeden weiteren Kilometer (ab dem 21. Kilometer). Wichtig: Es wird nur die einfache Strecke berücksichtigt.
  • Arbeitsmittel: Ob Laptop, Schreibtisch, Fachbücher oder Büromaterial - alles, was du für deinen Job brauchst, kannst du absetzen. Bei teureren Anschaffungen (über 952 Euro inklusive Mehrwertsteuer) musst du die Kosten über mehrere Jahre verteilen (Abschreibung).
  • Fortbildungskosten: Seminare, Kurse, Sprachreisen - alles, was deine beruflichen Kenntnisse erweitert, ist absetzbar.
  • Berufsbekleidung: Wenn du spezielle Berufskleidung tragen musst (z.B. Kochkleidung, Uniform), kannst du die Kosten dafür geltend machen.
  • Bewerbungskosten: Auch wenn du dich auf eine neue Stelle beworben hast, kannst du die Kosten für Bewerbungsfotos, Bewerbungsmappen und Reisekosten zu Vorstellungsgesprächen absetzen.
  • Homeoffice: Hast du ein separates Arbeitszimmer in deiner Wohnung, kannst du die Kosten dafür (Miete, Nebenkosten, etc.) anteilig absetzen. Wichtig: Das Arbeitszimmer muss nahezu ausschließlich beruflich genutzt werden. Seit 2020 gibt es auch die Homeoffice-Pauschale, die einfacher zu handhaben ist. Sie beträgt 6 Euro pro Tag, maximal 1.260 Euro pro Jahr.

2. Sonderausgaben: Spenden, Versicherungen und mehr

Sonderausgaben sind private Ausgaben, die steuerlich berücksichtigt werden können. Hierzu gehören:

  • Spenden: Spenden an gemeinnützige Organisationen und Parteien sind bis zu bestimmten Höchstgrenzen absetzbar.
  • Versicherungen: Beiträge zu bestimmten Versicherungen (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Haftpflichtversicherung) sind als Sonderausgaben absetzbar.
  • Altersvorsorgeaufwendungen: Beiträge zur Altersvorsorge (z.B. Riester-Verträge, Rürup-Verträge) können ebenfalls steuerlich geltend gemacht werden.
  • Kirchensteuer: Die gezahlte Kirchensteuer kann als Sonderausgabe abgesetzt werden.

3. Außergewöhnliche Belastungen: Wenn das Leben teuer wird

Außergewöhnliche Belastungen sind Ausgaben, die zwangsläufig entstehen und die deine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen. Hierzu zählen:

  • Krankheitskosten: Nicht erstattete Krankheitskosten (z.B. Zuzahlungen zu Medikamenten, Arztkosten, Therapiekosten) können als außergewöhnliche Belastungen abgesetzt werden. Wichtig: Es gibt einen zumutbaren Eigenanteil, der abhängig von deinem Einkommen und Familienstand ist.
  • Behinderung: Menschen mit Behinderung können bestimmte Pauschbeträge geltend machen.
  • Scheidungskosten: Unter bestimmten Voraussetzungen können Scheidungskosten als außergewöhnliche Belastungen abgesetzt werden.
  • Unterhaltsleistungen: Unterhaltsleistungen an bedürftige Personen (z.B. Ex-Partner, Kinder) können bis zu bestimmten Höchstgrenzen abgesetzt werden.

4. Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen: Hilfe im Haushalt steuerlich absetzen

Auch wenn du Handwerker beauftragst oder haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch nimmst, kannst du Steuern sparen.

  • Handwerkerleistungen: Du kannst 20 Prozent der Lohnkosten (maximal 1.200 Euro pro Jahr) für Handwerkerleistungen absetzen, die in deinem eigenen Haushalt durchgeführt werden. Wichtig: Materialkosten sind nicht absetzbar.
  • Haushaltsnahe Dienstleistungen: Hierzu zählen beispielsweise Putzhilfen, Gartenarbeiten oder Kinderbetreuung. Du kannst 20 Prozent der Kosten (maximal 4.000 Euro pro Jahr) absetzen.

Tipp: Sammle alle Belege und Rechnungen das ganze Jahr über, um bei der Steuererklärung nichts zu vergessen!

Steuererklärung leicht gemacht: Tools und Tricks für Faule

Die Steuererklärung muss nicht kompliziert sein! Es gibt zahlreiche Tools und Tricks, die dir das Leben erleichtern:

  • Steuer-Software: Es gibt verschiedene Steuer-Software-Programme, die dich Schritt für Schritt durch die Steuererklärung führen und dir helfen, alle relevanten Ausgaben geltend zu machen. Beispiele sind WISO Steuer, Taxman oder Smartsteuer.
  • ELSTER: Das Online-Portal der Finanzverwaltung ermöglicht es dir, deine Steuererklärung elektronisch einzureichen.
  • Steuerberater: Wenn du dich überfordert fühlst oder komplizierte Einkommensverhältnisse hast, kann ein Steuerberater eine gute Investition sein. Die Kosten für den Steuerberater sind übrigens auch absetzbar!
  • Pauschalen nutzen: Bei einigen Ausgaben (z.B. Werbungskosten) gibt es Pauschalen, die du ohne Nachweis geltend machen kannst. Das spart Zeit und Aufwand.

Merke: Es ist besser, eine unvollständige Steuererklärung einzureichen als gar keine! Das Finanzamt wird dich gegebenenfalls auffordern, fehlende Unterlagen nachzureichen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

  • Was ist der Unterschied zwischen Steuererklärung und Lohnsteuerjahresausgleich? Der Lohnsteuerjahresausgleich ist eine vereinfachte Form der Steuererklärung, die vom Arbeitgeber durchgeführt wird. Die Steuererklärung ist detaillierter und ermöglicht es, mehr Ausgaben geltend zu machen.
  • Bis wann muss ich meine Steuererklärung abgeben? Die Frist für die Abgabe der Steuererklärung ist der 31. Juli des Folgejahres. Wenn du einen Steuerberater beauftragst, hast du in der Regel länger Zeit (bis Ende Februar des übernächsten Jahres).
  • Was passiert, wenn ich die Frist verpasse? Das Finanzamt kann Verspätungszuschläge erheben.
  • Kann ich meine Steuererklärung auch rückwirkend abgeben? Ja, du kannst deine Steuererklärung bis zu vier Jahre rückwirkend abgeben.
  • Was ist ein Freibetrag? Ein Freibetrag ist ein Betrag, der von deinem Einkommen abgezogen wird, bevor die Steuer berechnet wird. Dadurch reduziert sich deine Steuerlast.

Fazit: Steuern sparen ist kein Hexenwerk!

Auch wenn die "durchschnittlichen" 900 Euro für dich unerreichbar scheinen, gibt es viele Möglichkeiten, deine Steuerlast zu senken. Informiere dich gründlich über absetzbare Ausgaben, nutze Steuersoftware oder einen Steuerberater und sammle alle Belege sorgfältig. Jeder Euro, den du sparst, ist bares Geld! Also, ran an die Steuererklärung und hol dir das zurück, was dir zusteht!